Adventskalendergeschichte Teil 24/24

Er hörte auf zu husten, und die fremde Frau gab ihm den Becher zurück. Im Nebenraum lief immer noch das Radio. „… wird die Unterstützung der Bevölkerung benötigt. Der 38-Jährige hat vor vier Tagen nach einer häuslichen Auseinandersetzung die Wohnung verlassen. Er hat eine Kopfverletzung erlitten und benötigt ärztliche Hilfe.“ Auf einmal war das unwohle Gefühl weg, und die Erinnerung war wieder da. Die richtige Erinnerung. Er hatte Malin nicht getötet. Wie denn auch, sie war eine Boxerin. Sie war stärker als er. Es war alles die ganze Zeit in seinem Kopf gewesen, er hatte es nur falsch zusammengesetzt.

Sie hatte ihn an den Schultern gepackt und geschüttelt, zuerst nur ganz leicht. Er sollte aufhören zu reden, denn sie wollte das alles nicht hören, konnte seine Vorwürfe nicht mehr ertragen. Er hatte sie lauernd angesehen, und dann, urplötzlich, hatte er seine Schultern gestrafft, das Kinn gereckt und sie herausfordernd angesehen. Er hatte ihre Hände abgestreift, als wären sie ein alter Schal, den er nicht mehr benötigte. “Verschwinde doch einfach. Das Kind kann sowieso nicht von mir sein.”

Sprachlos hatte sie die Hände sinken lassen, dann ihre Rechte gehoben und ihm eine Ohrfeige gegeben. Doch anstatt zurückzuweichen, schrie er sie an und ging auf sie los. Das war zu viel, sie griff sich den erstbesten massiven Gegenstand und schlug damit auf seinen Kopf ein, und erst, als er reglos auf dem Teppich lag und Blut aus seinem Ohr sickerte, hörte sie auf.

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Adventskalendergeschichte Teil 20/24

Eine junge Frau kam ins Zimmer geeilt und stemmte die Hände in die Hüften. „Also wirklich, Sie sollten im Bett bleiben und auf den Arzt warten“, schalt sie ihn. Er versuchte zu protestieren, merkte aber selber, dass ihm die Kraft fehlte. Mitten im Satz brach er ab und gab jeden Widerstand auf. Die Frau half ihm zurück ins Bett, verschwand kurz und brachte ihm nach einigen Minuten einen neuen Tee.

Adventskalendergeschichte Teil 19/24

In der Ecke des Zimmers, halb verdeckt von der offenen Tür, entdeckte er seinen Rucksack. Er verkrampfte sich innerlich, als ihm alles wieder einfiel. Sein Rucksack. Natürlich, er musste hier weg. Was hatte er sich nur dabei gedacht, in diesem Bett herumzuliegen. Egal, wie er hierher gekommen war, nun musste er zusehen, dass er so schnell wie möglich flüchtete. Er schlug die Decke zurück und schwang beherzt die Beine über die Bettkante. Sofort fingen dunkle Sterne an, vor seinen Augen zu schwirren. Er ignorierte sie und stand auf. Seine Beine sackten unter ihm zusammen, und er riss den Tisch mit den Getränken und Keksen um, als er zu Boden ging.