Als (Möchtegern-)Autorin Rezensionen schreiben – ein Problem?

Neulich bekam ich einige Kommentare, die ich nicht freigeschaltet habe, weil ich die Wortwahl als beleidigend empfand, und eine anonyme E-Mail von einer Wegwerf-E-Mailadresse, auf die dasselbe zutraf. Auslöser war offenbar meine Rezension zu „Dem Horizont so nah“ von Jessica Koch. Der Inhalt war in den Kommentaren und in der Mail (wenn man sich mal die unterschiedlichen fantasievollen Bezeichnungen meiner Person wegdenkt) derselbe: Mir wurde vorgeworfen, ich als bisher nicht erfolgreiche (Möchtegern-)Autorin würde aus purem Neid die Bücher anderer Autoren schlechtmachen. Ich habe eine Weile über diese Bemerkungen nachgedacht und möchte meine Überlegungen dazu gerne hier festhalten.

Ansatzweise kann ich nachvollziehen, dass es jemand problematisch findet, wenn ich auf meinem Blog sowohl eigene Texte und Erfahrungen als auch Rezensionen veröffentliche. Man kann das sicher anmaßend finden, man kann auch Vergleiche anstellen und sagen: Wie kann sie den und den Punkt in einem fremden Text kritisieren, wenn sie doch selber hier und dort genau denselben Fehler gemacht hat?!

Als ich vor etwas mehr als einem Jahr diesen Blog angelegt habe, befürchtete ich genau solche Reaktionen und habe deswegen intensiv überlegt, ob ich wirklich beides machen möchte oder ob ich mich entscheiden muss – für einen reinen Rezensionsblog oder einen reinen Autorenblog. Damals bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich mich nicht einschränken möchte, weil das Lesen und das Schreiben eigener fiktionaler Texte mir gleichermaßen wichtig sind. Aus mehreren Gründen denke ich nach wie vor, dass diese Mischung in Ordnung ist.

Nee, ich kann es nicht besser… muss ich auch gar nicht

Ich stehe als Autorin noch ganz am Anfang, habe nur hier und da mal eine Kurzgeschichte publiziert, aber bisher keinen Roman vollendet, geschweige denn veröffentlicht. Jeder Autor, der ein eigenes Buch geschrieben hat, das sich verkauft, ist mir also meilenweit voraus. Das ist mir bewusst, und ich habe Respekt vor der Leistung, die dahintersteckt. Gerade weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie schwierig es manchmal sein kann, sich mit dem eigenen Schreibprozess und den eigenen Texten auseinanderzusetzen.

Trotzdem möchte ich nicht jede Rezension mit „Erstmal Respekt an den Autor, dass er dieses Buch fertig geschrieben hat…“ beginnen und mit „…aber das sind nur Kleinigkeiten, die mir aufgefallen sind, und ich könnte es ja mit Sicherheit auch nicht besser“ beenden. Das wäre nicht nur wenig lesenswert, sondern meiner Meinung nach auch ziemlich unnötig. Denn ich denke nicht, dass man etwas selbst besser können muss, um sich kritisch darüber äußern zu dürfen.

Ob mir etwas schmeckt oder nicht, weiß ich, ohne kochen zu können. Klamotten darf ich hässlich finden, auch wenn ich selber nicht nähen kann. Und ich beklage mich auch, wenn anderer Leute Kinder frech zu mir sind, obwohl ich selber noch kein Kind großgezogen habe.

Klar ist die Rolle des Kritikers in vielerlei Hinsicht einfacher als die desjenigen, der sich oder seine Leistung zur Diskussion stellt. Wenn alle etwas Empathie und Rücksichtnahme an den Tag legen, kann Kritik aber am Ende nur Positives bewirken. Um mal einen Vergleich zu meinem Lieblingssport, dem Klettern, zu ziehen:

Ich gehe gerne in die Kletterhalle, manchmal auch mit Sportlern, die besser (d.h. stärker, cleverer, ausdauernder, mit besserer Technik) klettern als ich. Wenn ich unten stehe und sichere, habe ich einen ganz anderen Blickwinkel als derjenige, der gerade klettert. Ich sehe vielleicht, dass direkt neben seinem Fuß noch eine ganz kleine Leiste ist, die einfach zu erreichen wäre und von der aus genau die paar fehlenden Zentimeter bis zum nächsten Griff zu überbrücken wären. Natürlich schreie ich dann nicht: „Ey du dumme Sau, warum stellst du dich nicht auf die scheiß Leiste, ist doch babyleicht!“, denn das wäre a) unhöflich und b) weiß ich ja, dass es von unten immer einfacher aussieht, als es ist, und ich nicht nur einen anderen Blickwinkel habe, sondern auch einen kühleren Kopf, weil ich nicht seit Minuten mit meinem gesamten Körpergewicht an einem Arm und einem Zeh in fünf Metern Höhe hänge. Ich sage also „Hey, neben deinem linken Fuß ist eine Leiste.“ Wenn mich dann allerdings jemand, der neben mir steht, schubsen und dabei anschreien würde, „Du alte Schlampe, lass ihn in Ruhe, du kannst es doch selber nicht besser!“, wäre das etwas irritierend.

Mit diesem Blog ist das ähnlich. In dem Moment, wo ich eine Rezension verfasse, weiß ich, dass der Autor sicher in vielerlei Hinsicht besser schreibt als ich, und dass mir bestimmte Kritikpunkte nur deswegen auffallen, weil ich eben von draußen, aus einem anderen Blickwinkel auf den Text schaue. Ich versuche daher, meine Kritik möglichst höflich und fair zu verpacken – was für mich bedeutet, dass ich wertende Aussagen entweder anhand konkreter Verweise auf den Text belege oder durch entsprechende Formulierungen als reines Geschmacksurteil kennzeichne. Allerdings erwarte ich auch von meinen Lesern – selbst wenn sie eventuell große Fans einer von mir kritisierten Autorin sind – dass sie sich fair verhalten und ihre Kritik ohne Schimpfworte vorbringen.

Warum ich Rezensionen schreibe

Wenn ich eine Rezension verfasse, setze ich mich viel intensiver mit einem Buch auseinander, als wenn ich es nur lesen und danach weglegen würde. Ich mache mir Gedanken darüber, nach welchen Prinzipien das Buch aufgebaut ist, wie der Stil beschrieben werden kann, wie die Figuren charakterisiert werden, welche Motive verwendet werden und warum. Das sorgt bei mir dafür, dass ich ein ganz anderes, „innigeres“ Leseerlebnis habe und am Ende den Eindruck habe, besser verstanden zu haben, wie Bücher funktionieren. Ich glaube, dass das langfristig auch das eigene Schreiben voranbringen kann.

Zudem hoffe ich natürlich, dass die Rezensionen auch für meine Blogleser hilfreich sind und vielleicht den einen oder anderen auf ein tolles Buch aufmerksam machen. Darum rezensiere ich auch viel lieber (und häufiger!) Bücher, die mir gefallen haben, als solche, mit denen ich wenig oder gar nichts anfangen konnte. Die aus meine Sicht weniger lesenswerten Bücher stelle ich hier nur vor, wenn sie wenigstens „auf ein interessante Art misslungen“ sind oder ich glaube, dass man daraus irgendwelche allgemeinen Erkenntnisse ableiten könnte. Ich filtere also schon sehr stark und rezensiere nur einen Bruchteil der schlechten Bücher, die ich lese. Denn letzten Endes halte ich Verrisse, auch wenn sie unterhaltsam sein können, für weniger nutzwertig als positive Rezensionen.

Was lest ihr lieber, Empfehlungen oder kritische Rezensionen? Und was meint ihr zu dem Grundsatz „Wenn man gar nichts Positives zu sagen hat, sollte man das Buch lieber nicht vorstellen“?

 

 

 

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10 Gedanken zu “Als (Möchtegern-)Autorin Rezensionen schreiben – ein Problem?

  1. Ein sehr interessanter Blogbeitrag. Ich selbst, ein im Verlag veröffentlichter Roman, zwei Kurzgeschichtenbände und zwei Romane im Selfpublishing, verstehe deine Problematik. In Amazon schreibe ich oft Bewertungen und bewerte oft auch sehr negativ. Das tue ich allerdings nur bei Autoren, die in einem Verlag veröffentlicht haben und einen gewissen Bekanntheitsgrad besitzen. Hinter denen steht ein ganzer Stab von Experten (Lektor, Korrektor, Coverdesigner, Marketingfachleute). Hinter einem Selfpublisher oder einem Kleinverlag steht … NIEMAND. Insofern bewerte ich nie einen Selfpublisher oder Kleinverlag negativ, aber auch nicht unangemessen positiv. Wenn ich bis heute nicht verstehe, warum „Im Frühling sterben“ oder „Nachtzug nach Lissabon“ Erfolg hatten oder Romane wie „Montecristo“ von Suter den abartigst denkbaren Schluss haben, dann erlaube ich mir, das zu benennen, um andere Leser zu warnen. Bei Selfpublishern ist es so, dass man niemals etwas von ihnen kaufen sollte, ohne die Leseprobe angeschaut zu haben. Man muss nicht eine Suppe auslöffeln, um zu wissen, ob sie gut ist. Wird keine Leseprobe angeboten, dann verbietet sich die Lektüre von selbst. Niemand kann zwanzig gute Seiten schreiben und dann nur noch Schrott.
    Leider scheint es wirklich so zu sein, dass Autoren andere Autoren aus Neid niedermachen. Und da glaube ich, diesen Schuh musst du dir wirklich nicht anziehen, obwohl du Autor bist. Daneben gilt, auch für Autoren, dass Kritik zu ertragen ist sehr schwer ist … und so könnte es sein, dass du von einer gekränkten Seele angeschossen wurdest. Verzeih ihr 😉

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    1. Danke für deinen Kommentar! Die Einstellung, dass Selfpublisher von negativen Rezensionen „verschont“ werden sollen, finde ich gut und richtig. Meiner Meinung nach gilt das auch für Autoren bei kleinen Verlagen, die sich selbst um Presse- und Öffentlichkeitsarbeit kümmern. Denn jemanden, der sich in seiner Freizeit hinsetzt, geeignete Blogs heraussucht und Rezensionsexemplare anbietet, möchte ich dafür nicht mit einer negativen Rezension „abwatschen“. Wenn mir das Werk nicht gefällt, rezensiere ich es nicht und fertig. Anderen Bloggern gefällt es vielleicht. Darum sind die auf meinem Blog erschienenen Beiträge zu Werken von Selfpublishern auch ausschließlich Empfehlungen (z.B. Fiona Limar, Peter Coon). Von Selfpublishern nehme ich grundsätzlich keine Rezensionsexemplare an, sondern kaufe mir das jeweilige (E-)Book, wenn es für mich interessant ist, in jedem Fall selbst. Ist ja in der Regel nicht teuer und eine gute Möglichkeit, einen Selfpublisher zu unterstützen. Eine noch viel wirkungsvollere Unterstützungsmöglichkeit ist es, eine positive Rezension zu verfassen, aber das mache ich nur, wenn ich wirklich dahinterstehe.
      Im Falle des Buches „Dem Horizont so nah“ bzw. der Autorin Jessica Koch habe ich meine (eher kritische) Rezension veröffentlicht, weil ich es in Hinblick auf gesellschaftliche Verhältnisse, kollektive Wünsche und Geschlechterrollen sehr interessant fand, dass dieses Buch so beliebt ist – und weil ich davon ausging, damit niemandem zu schaden. Rowohlt hat eine Neuauflage herausgebracht, die Autorin hat es also geschafft, sich am Buchmarkt zu etablieren.
      Zum Thema „Leser warnen“: Witzigerweise war das auch bei mir der Auslöser, warum ich vor etwas mehr als einem Jahr mit dem Bloggen angefangen habe. Ich ging in den Buchladen meines Vertrauens und beschrieb dem Buchhändler, was für ein Buch ich suchte: Es sollte gut geschrieben sein, mit Sätzen, die nachhallen. Es sollte mich nachdenklich machen, durchrütteln und am Ende wund und verletzlich zurücklassen. Der Buchhändler reichte mir „Untreue“ von Paulo Coelho und sagte, dieses Buch sei die Axt für das gefrorene Meer in mir. Es sei völlig zu Recht ein Bestseller und es werde mein Leben verändern. In gewisser Hinsicht tat es das auch, denn ohne dieses Buch hätte ich vielleicht nicht angefangen zu bloggen. In den nächsten Stunden quälte ich mich kopfschüttelnd durch all diese ungelenk geschriebenen, mies übersetzten, von fragwürdigen Vorstellungen und Glückskeks-Weisheiten geprägten Seiten und dachte: Ist denn das zu fassen? Dafür habe ich 19,90 € bezahlt? Sofort hatte ich den Wunsch, andere Menschen vor dieser überflüssigen Ausgabe zu warnen, und verfasste meine erste (rückblickend betrachtet an einigen Stellen etwas fies formulierte) Rezension. Ich denke, Paulo Coelho wird es verschmerzen können, erfolgreich genug ist er ja 😉
      Zum Thema Verzeihen: Immer. Längst. Wer fremde Menschen im Internet anonym beschimpft, braucht meiner Meinung nach mal dringend eine ganz dicke Umarmung und eine große Portion Glück und Zufriedenheit. Beides wünsche ich dem Verfasser der Kommentare und der anonymen Mail von Herzen. Mein Beitrag war auch nicht als Retourkutsche gemeint – ich finde es nur für mich selber wichtig, sich mit Kritik, auch wenn sie vielleicht unsachlich formuliert ist, auseinanderzusetzen. Für mich war die Kritik eine Anregung, die Idee meines Blogs zu überdenken, und hat mich letzten Endes darin bestärkt, mein bisheriges Konzept beizubehalten. Meine Überlegungen dazu habe ich festgehalten; zum Einen, weil es vielleicht für manche Leser interessant ist, mal einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und zu erfahren, mit was für Reaktionen man sich als Blogger evtl. auseinandersetzen muss, zum Anderen, weil (wie Dominiks Kommentar zeigt) manche Blogger ja ein ähnliches Konzept haben wie ich und die Problematik vielleicht aus eigener Erfahrung kennen. Die Kommentare haben einige Aspekte aufgezeigt, die ich bisher nicht in dieser Form bedacht habe, und machen deutlich, dass es sich um ein wichtiges Thema handelt, das ich sicher noch eine ganze Weile im Hinterkopf behalten werde. Insofern vielen Dank euch allen!

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  2. Schade, dasss ein solcher Beitrag überhaupt nötig sein muss. Gibt es nicht soetwas wie Meinungsfreiheit in Deutschland? Selbst wenn du dich hinstellen würdest und schreist „Das Buch finde ich scheiße“ wäre das m. M. nach legitim. Ich habe deine Rezi gerade nochmal gelesen und fand sie sehr freundlich und nett formuliert. Also, wo ist das Problem deiner Leser*Innen? Wenn ich eine Rezi lese, erwarte ich eine ehrliche Meinung (auch wenn es Kritk ist). Es liegt an mir, mir ggf. eine eigene Meinung bilden zu wollen. Und ich finde es sind trotzallem zwei verschiedene Paar Schuhe: Selber schreiben und Bücher „auseinander pflücken“. Wenn du veröffentlichst, stellst du dich ja automatisch auch der öffentlichen Meinung und da muss man als Autor*In eben auch mit schlechter Kritik rechnen und in irgendeiner Form damit umgehen können. Genauso steht dir aber eben auch zu, dir eine eigene Meinung über andere Bücher zu bilden und dies öffentlich zu äußern.
    Mach weiter so! Ich lese deinen Blog gerne!

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    1. Vielen Dank für deinen Kommentar! Es freut mich, dass du meine Rezension als nett formuliert wahrgenommen hast. Ich habe sie mir inzwischen auch mehrfach durchgelesen und bin zu derselben Einschätzung gekommen, aber natürlich bin ich da voreingenommen, insofern ist es schön, dieses Urteil noch einmal von einer außenstehenden Person bestätigt zu bekommen.
      Einzig die Überschrift, „Ein bisschen Twilight für Arme“, finde ich im Nachhinein unglücklich gewählt. Das kann man in einer Weise abwertend verstehen, die ich nicht beabsichtigt habe. Ich kenne die Formulierung „…für Arme“ (oder alternativ auch „…des kleinen Mannes“) als verniedlichende Beschreibung einer weniger glamourösen Alternative für ein Produkt. Andere verstehen das vielleicht anders oder haben gar den Eindruck, ich würde materiell schlechter gestellte Menschen stigmatisieren. Letzten Endes kann man mit Überschriften viel verkehrt machen, besonders bei dem Versuch, den Leser neugierig zu machen.
      Du schreibst, dass du als Leser eine ehrliche Meinung erwartest – diesen Aspekt finde ich sehr wichtig, denn er bestärkt mich darin, auch in Zukunft hin und wieder eine kritische Rezension zu veröffentlichen, wenn ich meinen negativen Eindruck von dem Buch belegen kann. Wenn ich als Leser auf einen Blog stoßen würde, auf dem nur positive Rezensionen erscheinen, würde ich auch irgendwann denken: Hier stimmt doch etwas nicht…

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      1. Ehrlich gesagt, möchte ich als Leser nicht nur eine ehrliche Meinung, sondern auch unterhalten werden. Insofern finde ich deine Überschrift witzig und „verlockend“. Ich wollte da weiter lesen. Finde ich legitim, dass man sich dann evtl. etwas „unglücklich“ ausdrückt. Anderseits muss man ja auch nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Und ich muss noch etwas gestehen: Ich habe das Buch auch gelesen und meine Kritik wäre gnadenlos gewesen 😉

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  3. Ich habe ja einen sehr ähnlichen Blog wie du – eigene literarische Texte und Buchrezensionen.

    Bislang habe ich noch keine solche Mail bekommen, aber einmal stand ich vor einer sehr schwierigen Sache. Ein Selfpublishing-Autor kam auf mich zu, fragte, ob ich sein Werk rezensieren wolle, ich hab es gelesen und es war … grottig. Er wartete natürlich schon auf die Rezension – und wäre es ein Autor gewesen, der unter den 10.000 Rezensionen seines Buches die meine nie zu Gesicht bekommt, hätte ich mich freudig ausgetobt (Verrisse und Lobpreisungen für Bücher sind immer wunderbar zu schreiben, Kritiken für durchschnittliche Bücher jedoch eher fad, find ich). So hab ich das Buch zwar kritisiert, hab die Fehler hervorgehoben, hab auch bewusst gemacht, was genau die 5-10 Punkte waren, mit denen ich mich überhaupt nicht anfreunden konnte. Er verstand das auch, aber jeglicher weiterer Kontakt blieb dann aus. 😉

    Oh, sorry für die lange Geschichte (die ein bisschen off-topic ist): Aber ja – jeder darf alles kritisieren. Ich will jetzt nicht auf die Meinungsfreiheitssache von wortgeflumselkritzelkram eingehen, aber ich lese gerne Buchkritiken, die einen Autor/eine Autorin und sein/ihr Buch nicht nur feiern. Nicht, weil ich mich freue, wenn ein Autor/eine Autorin ein „schlechtes“ Buch veröffentlicht hat, sondern weil ich aus fundierter Kritik einfach auch für mich selber sehr viel mitnehmen kann. Also ein „Das Buch ist scheiße!“ kann ein jeder bloggen, Meinungsfreiheit und so (wobei die ja auch wo endet), aber ein „Das Buch ist scheiße, weil…“ ist mir dann doch etwas lieber.

    (Und selbst wenn die Kritik fundiert ist, kann es vorkommen, dass sich der/die Autorin an dich wendet. Das ist mir zwei Mal bei Sachbuchkritiken passiert – die Autoren haben mich auf Facebook gefunden und mir unterstellt, ja sowieso keine Ahnung zu haben. Das hat mich sehr unterhalten.)

    Also: Nicht unterkriegen lassen. Du hast dir darüber gute Gedanken gemacht. Von wütenden Mailschreibern ist man nie gefeit, aber die Qualität deiner Texte und Kritiken sprechen ja eindeutig für dich. 🙂 Weiter so!

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    1. Schön, dass du schreibst, du kannst aus kritischen Rezensionen viel mitnehmen – mir geht es ja (beim Schreiben der Kritiken) ähnlich. Manchmal habe ich mich allerdings schon gefragt: Wo ist jetzt der Nutzwert für meine Leser? Sitzen irgendwo Menschen vor ihrem PC und denken „Toll, danke Helene, wieder ein endlos langer Artikel über ein Buch, dass wir deiner Meinung nach nicht lesen sollen – wäre es nicht produktiver, du würdest in der Zeit über wirklich gute Bücher schreiben?“ Aber du hast Recht, zumindest für die Leser, die auch selber schreiben, sind negative Rezensionen in einer ganz praktischen Hinsicht relevant. Und alle anderen können sich zumindest theoretisch mit der Frage auseinandersetzen, was ihnen an einem Buch wichtig ist – und sich dann, wie wortgeflumselkritzelkram geschrieben hat, eine eigene Meinung bilden.
      Danke, dass du auch deine eigenen Erfahrungen mit der Problematik geschildert hast. Humor ist mit Sicherheit wichtig. Haters gonna hate 😉
      PS: Ich hab dir auf Facebook eine PN geschickt, schau mal bei Gelegenheit nach, ist vielleicht unter „Sonstiges“ oder „Nachrichtenanfragen“ gelandet, da wir keine Freunde sind.

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  4. Dazu gebe ich, als Autorin doch gerne mal noch meinen – langen – Senf:

    Wer versucht mit dem Wort „(Möchtegern-)Autorin den angesprochenen erst einmal kleinzumachen, bevor die eigentliche Kritik kommt, darf sich nicht wundern, wenn die späteren Argumente nicht mehr ernst genommen werden. Kritik muss auf Augenhöhe möglich sein, sonst disqualifiziert man eher selber als (Möchtegern-)Kritiker.

    Wobei der Begriff (Möchtegern-)Autor ja im Grunde nur einen Wunsch ausdrückt, den Wunsch den alle haben, die schreiben, eine Anerkennung als Autor. Tja, nun gibt es aber keine Berufsausbildung zum Autor und in Zeiten den Selfpublishing ist der Begriff Möchtegern-Autors eh ziemlich sinnfrei.
    Man ist immer der Urheber und damit Autor seines Textes, kann im Grunde gar nicht nur ein Möchtegern-Autor sein. Höchtens jemand, der nicht gelesen wird, was auch kaum vorkommt, denn irgendwelche Fans finden sich fast immer. Profi-Autor werden dagegen nur ca. 5% aller Autoren, alle anderen müssen sich irgendwie (noch) anders ernähren, können vom Schreiben allein nicht leben. Damit könnte man also auch gerne mal diskutieren, ob 95% der veröffentlichten Autoren nicht sogenannte Möchtegern- oder Hobbyautoren sind. Von Bestsellerautoren natürlich ganz zu schweigen.
    Nun ist es aber auch so, dass diese Tätigkeit eine Entwicklung beinhaltet. Wer heute schreibt, wird vielleicht erst morgen gelesen, bekommt übermorgen womöglich einen Preis und kann sich in 10 Jahren vielleicht in die Riege derer einreihen, die vom Schreiben leben können. Denn kein Autor bleibt ja stehen, schreibt weiter und wird im gewissen Rahmen damit auch bekannter. Wobei dieser Bekanntheitsgrad wiederum nicht nur davon abhängt, ob einer gut schreiben kann. Ja, so manchem Bekannten Schreiber würde sicher der eine oder andere liebend gerne den Titel Möchtegern-Autor verpassen.

    Dabei ist das Thema viel zu interessant, um es mit Diffamierungen und Spott zu diskutieren. Denn es ist einfach so, dass der Autor der rezensiert nicht mehr nur als reiner Leser wahrgenommen wird, sondern als potentieller „Mitbeweberber“ bzw. Konkurrent, vor allem von denen, die in diesem Segment selbst gerne Anerkennung möchten – aber eben meist noch nicht haben. Anerkannte und etablierte Autoren stehen nicht unbedingt über jeder Kritik, natürlich tut es weh, wenn man verrissen wird. Aber – man weiß doch andererseits damit umzugehen, denn man habe ja doch etliche Fans und Leser, die das eigene Buch lesen. Und wo bitte gibt es einen Bestsellerautor, der nicht irgendwelche Kritiker hat, auch solche, die das Buch grottenschlecht finden. Damit muss man leben und kann es auch. Sofern man als Autor ein gewisses Selbstwertgefühl entwickelt hat und weiß, was man kann.
    Zum Glück sind die meisten Autoren eher hilfsbereit und wohwollend, denn wer seinen Schreibstil gefunden hat, weiß, dass die anderen nicht einfach Konkurrenten sind, es sei denn sie kopieren den Stil dieses Autors.
    Im Gegenteil, die professionelle Vielfalt auf dem Markt wird auf Dauer die Leser überzeugen und dann hat jeder, der an sich arbeitet eine Chance, seine eigene Fangruppe zu gewinnen. Wer anderen Autoren hilft, sorgt für Qualiät auf dem Markt und nichts anderes wollen die Leser.
    Und dazu gehören natürlich auch ehrliche Rezensionen, die – und das ist ja auch dem Leser des Blogs klar – natürlich auch die Vorliebe und den Geschmack des Bloggers wiederspiegeln.
    Wer fundierte Kritik schreibt, unterstützt letztlich auch den Autor, denn wer mit Hilfe von falschen Rezensionen Leser bekommt, die was anderes erwartet haben, erhält keine Fans, sondern enttäuschte Leser. Wer mich trotz Kritik liest und dann zu einem anderen Ergebnis kommt, der schreibt dann vielleicht eine passende positive Rezension. Und wer mich aufgrund der Kritik nicht liest, hätte vielleicht eine noch schlechtere gelesen, gehört womöglich gar nicht in meine Zielgruppe.

    Doch Autoren, die rezensieren, werden nicht nur als Neidhammel betrachet, denn wenn sie positiv bewerten, geraten sie ebenso leicht in Verdacht der Kungelei bzw. einem befreundeten Autoren eine Freundschaftsdienst erwiesen zu haben, denn auch das wird gerne behauptet: Ein Autor hackt einem andern nicht das Auge aus. Zumindest, wenn sie in irgeneinem gemeinsamen Verband oder sonst was verbunden sind. Was ja sehr häufig vorkommt.

    Als Autor zu rensensieren ist also immer eine Gradwanderung, aber eine erlaubte. Und wie ich meine eine bereichernde für alle. Als Autor profitiert man ungemein davon, wenn man andere Texte ananlysiert und bewertet, es schult sozusagen den Blick. Andererseits ist es eben auch der geschulte Blick, der dem Autor des resenizierten Buches wiederum eine qualitativ andere Bewertung geben kann, als viele Leser das können.
    Schließlich gab es ja mal Rezensenten und Kritiker, die das tatsächlich gelernt haben. Seit Amazon-Zeiten wird dagegen jede Lesermeinung etwas hochtrabend als Rezension bezeichnet, was sie ja sehr oft gar nicht sind. Ein überschwenglicher Dreizeiler sagt dann mehr über den Leser aus, als das Buch.

    Ich möchte letztlich nur dazu ermuntern, den eigenen Weg zu gehen, aber nicht nur Autoren brauchen ein dickes Fell, auch Rezensenten. Und wer beides macht, der muss sich besonders warm anziehen. Aber wer dabei unbeirrt und ehrlich bleibt, der verdient nicht nur Respekt, der bekommt ihn dann eines Tages auch.

    Also wäre mein Rat, mach das, was dir dein Herz sagt und wenn du beides gerne tust, dann tu es.
    Und halte dabei mit solchen Blogbeiträgen gerne die Diskussion im Gange.

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    1. Liebe Rosemarie, auch dir ganz vielen Dank für deinen Kommentar! Wahnsinn – das ist, glaube ich, der längste Leserkommentar, den ich auf diesem Blog bisher erhalten habe. Und es steckt so viel darin, was mich zum Nachdenken anregt! Danke!
      Deine Einstellung zu Rezensionen finde ich beachtlich, besonders den Aspekt, dass es dir lieber ist, ein potenzieller Leser wird durch eine (ehrliche) Kritik abgeschreckt, als wenn derjenige durch eine unzutreffende Rezension angelockt wird, letzten Endes aber nicht findet, was er sucht, und nach der Lektüre enttäuscht zurückbleibt. Denn ob ein Leser zum Fan wird, hängt ja davon ab, welche Erwartungen er vorher an das Buch gestellt hat und in welchem Umfang diese Erwartungen erfüllt werden. Die Kategorien „gut“ oder „schlecht“ sind da wenig hilfreich, stattdessen sollte eine Rezension möglichst transparent machen, nach welchen Kriterien geurteilt wurde, an welchen Erwartungen sich das Buch messen musste. Denn bei der Frage nach der Qualität darf man die Zielgruppe nicht außer acht lassen – und ich glaube, dass die meisten Leser sehr gut in der Lage sind, zu erkennen, ob der Verfasser eines Blogartikels zur selben Zielgruppe gehört, wie sie selber.

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      1. Ja, mein Kommentar ist wirklich lang geraten – selbst für meine Verhältnisse 🙂
        Es freut mich, dass er viel Nachdenkliches enthält, dann hat es sich schon gelohnt.

        Ja, ich denke wer (als Blogger) Rezesionen schreibt, schreibt sie in erster Linie für potentielle Leser und für die Blogbesucher, die das Buch nicht kennen.
        Auch wenn natürlich auch Autoren auf Rezensionen hoffen, denn so wird über das Buch geredet und gute Rezensionen beeinflussen eben doch auch Nachkäufe bzw. muss man ehrlicherweise sagen: Rezensionen insgesamt beeinflussen Nachkäufe, das die gut sind, ist nicht mal zwingend notwendig. Im Gegenteil, manche lassen sich gerade auch von schlechten Kritiken befeuern und sagen sich, das möchte ich dann doch mal selbst sehen oder aber das, was da kritisiert wird, stört sie nicht oder aber gefällt sogar.
        Maßgeblich ist im Grunde, dass das Buch gelesen und rezensiert wird. Ein Buch ganz ohne Rezensionen ist eher nicht wirklich präsent.

        Daher vertrete ich sehr stark diese ehrliche Rezension, denn nur dann profitieren wirklich alle.
        Denn als Leser möchte ich eben gerade nicht von lauter positiven Rezensionen eingelullt werden und dann habe ich ein grottiges Buch in den den Händen, meist tun das eh schon genug Freunde und Co.

        Da du aber auch Autorin bist, denke ich, weißt du auch sehr genau um die doch oft etwas zarte Seele eines Autors, die auch komplett verstädnlich wird, wenn man sich überlegt, dass jeder Autor in sein Werk ein Stück des eigenen Ichs legt. Man schreibt, was man selbst gerne lesen würde, was einem am Herzen liegt. Man packt eigene Wertvorstellungen mit rein und eventuell auch sehr persönlich erlebtes. Das alles wird xmal gewendet ob es so passt und gut rüber kommt. Und dann kommt die Kritik: Das Buch ist grottig! Das tut eben doch erst einmal so weh, das manche einfach zurückschlagen müssen, um sich selbst wieder auf die Beine zu holen, weiter zu machen, sich nicht in die hinterste Ecke zu verkriechen und das Autorendasein aufzugeben.
        Als Autor braucht man ein dickes Fell und das muss meistens erst wachsen.
        Nicht, dass ich es raten würde, bei schlechter Kritik zurückzuschreiben, oder insgesamt Kritik zu kritisieren, im Gegenteil, das ist unklug. Aber, auch Autoren lernen, und eine negative Kritik kann richtig richtig verletzend wirken. Daher würde ich auch nicht verurteilen, wenn jemand sagt, negative Kritik mache ich nur öffentlich, wenn es ein etablierter Autor ist, der kann damit inzwischen umgehen. Und es wird auch nicht wirklich besser, wenn es heißt, das ist grottig, weil … dann lieber ohne grottig, schlecht usw. und ehrlich die persönliche Meinung heruasstellen, denn das ist es ja allemal und hilft dem Autor ohne den Leser zu benebeln: Ich fand es nicht gut, weil …

        VG
        Rosemaie

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