„Confidence Code: Was Frauen selbstbewusst macht“ von Katty Kay und Claire Shipman

Dieses Sachbuch aus dem btb Verlag machte mich neugierig, denn es verspricht auf dem Umschlag „Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und revolutionäre Praxis-Tipps“. Leider konnte dieses Versprechen aus meiner Sicht nicht ganz eingelöst werden.

In „Confidence Code„* wird größtenteils darüber referiert, dass Frauen häufig mit Selbstzweifeln zu kämpfen haben. Außerdem geben die Autorinnen noch die Ergebnisse von „Gesprächen mit einflussreichen Frauen aus Politik, Sport und Kunst“ (Umschlagtext) wieder, um zu zeigen… ja, was eigentlich? Ich bin mir nicht ganz sicher. Und schließlich gibt es einen (meiner Meinung nach etwas kurz geratenen) Teil mit Ratschlägen.

Stilistisch eine Herausforderung

Es gibt Sachbücher (und zwar auch zu deutlich komplexeren Themen), die lese ich an einem Abend durch, weil ich mit jedem Satz auf Anhieb etwas anfangen kann. Mein Leseerlebnis mit „Confidence Code“ war deutlich zäher. Immer wieder musste ich ganze Absätze erneut von vorne beginnen und überlegen, was dort eigentlich stehen würde, wenn das Buch in vernünftigem Deutsch geschrieben wäre. Abgesehen von der aufgeregten „Wir können es selber gar nicht fassen, was wir Verrücktes herausgefunden haben“-Rhetorik, die man ja leider in vielen dieser Selbstoptimierungs-Ratgeber findet, enthält das Buch viel zu viele vermeidbare Substantivierungen, zu viele Adjektive, zu lange und geschraubte Sätze, Wiederholungen sowie Konstruktionen, die im Deutschen überhaupt nicht gebräuchlich sind. Ich könnte mir vorstellen, dass es an der Übersetzung liegt, aber das ist nur eine Vermutung, da ich das Original ja nicht kenne.

Revolutionär geht anders

Vielleicht hatte ich nach der Ankündigung „revolutionäre Praxis-Tipps“ zu hohe Erwartungen an das Buch. Auf jeden Fall hat es mich auch inhaltlich nicht überzeugt. Einige der Fallbeispiele kamen mir recht ähnlich vor („Wir treffen Frau XY, eine bekannte Raketenwissenschaftlerin/Gehirnchirurgin/Diplomatin. Frau XY spricht elf Sprachen und hat fünf Bücher veröffentlicht, in ihrer Freizeit betreibt sie Fechtsport/spielt virtuos Klavier/trainiert Waisenkinder aus sozial schwachen Familien ehrenamtlich im Boxen. Sie trägt ein neonpinkes knallenges Kleid und sieht mit ihrer leicht gebräunten Haut einfach Bombe aus. Doch im Gespräch mit uns sagt sie plötzlich, sie gehe jeden Abend mit dem Gefühl ins Bett, dass sie noch mehr hätte leisten können. Wie kommt das?“) Hm. Mir ist nicht klargeworden, was die Autorinnen mit diesen Beispielen bewirken wollten. Und außerdem: Was für Antworten man bekommt, hängt ja auch immer davon ab, wie die Fragestellungen lauteten. Dieser Aspekt kam mir bei den Interviews etwas zu kurz.

Die Ratschläge, die im hinteren Teil des Buches gegeben werden, empfand ich nicht als neu oder überraschend. Zumindest, wenn man vorher selber schon einmal über das Thema nachgedacht hat, dürften einem die meisten Ideen bekannt vorkommen. Tipps wie „Einfach machen“ und „Gehen Sie mal auf eine Party mit fremden Leuten. Wenn Ihnen der Gedanke Angst macht, können Sie ja erstmal auf eine Veranstaltung gehen, wo Sie einige Leute schon kennen“ (sinngemäße Wiedergabe) bewegen sich in etwa auf dem Niveau dessen, was ich einem guten Freund oder einer guten Freundin auch sagen würde, wenn ich um Rat gefragt werden würde. Ich fragte mich beim Lesen auch: Inwiefern sind das jetzt Ratschläge speziell für Frauen? Da das Buch mangelndes Selbstbewusstsein als ein spezifisch weibliches Problem darstellt, hätte ich erwartet, dass das Thema Weiblichkeit bei der Lösung des Problems ebenfalls eine größere Rolle spielt.

Fazit

Insgesamt hat mich das Buch nicht umgehauen; meiner Einschätzung nach ist es nur etwas für Frauen, die beim Thema Persönlichkeitsentwicklung und Selbstbewusstsein noch ganz am Anfang stehen und denen ein ermüdender Schreibstil nichts ausmacht.

*Wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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