Mein erster Diary Slam

Nachdem mein erster Poetry Slam mir neulich trotz meines schlimmen Lampenfiebers richtig Spaß gemacht hat, beschloss ich, mich auch für den Diary Slam im Grünen Jäger anzumelden. Dort werden Auszüge aus alten Tagebüchern, Briefen, E-Mails, Freundschaftsbüchern, Gedichten etc. vorgetragen – Voraussetzung ist nur, dass die Texte selbst verfasst sind und dass sie mindestens fünf Jahre alt sind.

Der Hof des Grünen Jägers war ordentlich voll und ich war wieder ziemlich aufgeregt, wenn auch nicht ganz so extrem wie bei dem Poetry Slam neulich. Denn die Texte, die ich vortragen wollte, waren ja deutlich älter und meine eigene Distanz zum Geschriebenen entsprechend größer. Außerdem wusste ich inzwischen, dass die Aufregung weniger wird, sobald ich an der Reihe bin.

Ich trug zuerst aus meinem Tagebuch von 1999 vor. In den ausgewählten Textstellen ging es um „den schlimmsten Tag in meinem Leben“, wie ich damals dachte: den 24.11.1999. Heute, fast 17 Jahre später, bin ich glücklicherweise über die vermeintlich dramatischen Ereignisse von damals (die in einem kurzen Wortwechsel zwischen mir und meinem Schwarm in der Schulbibliothek bestanden) hinweg und kann darüber lachen. Das Publikum lachte ebenfalls herzlich und die unbestechliche Zweier-Jury schickte mich ins Finale, sodass ich noch einen weiteren Text vortragen durfte.

Fotografin: Nadine Wedel

Meinen zweiten Text hatte ich 2003, also mit 15 Jahren, geschrieben. Damals war ich nicht in der allerbesten Stimmung und beklagte mich viele Seiten lang über meine Skoliose (eine von außen kaum sichtbare seitliche Wirbelsäulenverkrümmung), durch die ich mich offenbar auf monströse Weise entstellt fühlte. Mit vielen drastischen und teilweise politisch hochgradig inkorrekten Vergleichen machte mein 15-jähriges Tagebuch-Ich seine Auffassung deutlich, dass man mit so einer schweren Erkrankung unmöglich leben, geschweige denn jemals einen Freund finden könne. Im Nachhinein urkomisch. Das fand auch das Publikum, und so bekam ich einen wunderbaren Applaus und als Slam-Gewinnerin auch noch ein Tagebuch. Danke dafür!

Auch dieser Auftritt hat mir wieder sehr viel Spaß gemacht, besonders, weil ich in der Pause und im Anschluss an die Veranstaltung so nette Kommentare vom Publikum bekommen habe. Ich kann jedem nur raten, es mal selber auszuprobieren und sich für einen Diary Slam oder Poetry Slam anzumelden. Das Gefühl, wenn der Applaus anfängt, ist einfach unbezahlbar!

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2 Gedanken zu “Mein erster Diary Slam

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