Poetry Slam: Mein erster Auftritt

Am Donnerstag bin ich zum ersten Mal in meinem Leben bei einem Poetry Slam aufgetreten. Vorher saß ich einige Male im Publikum, fühlte mich meistens sehr gut unterhalten, spürte manchmal eine gewisse Sehnsucht, selber da vorne zu stehen, und hatte irgendwann den Gedanken: Hey, vielleicht könnte ich das ja auch. Solche Gedanken hege ich allerdings auch, wenn ich über Töpfermärkte schlendere, Museen besuche oder die olympischen Spiele gucke, insofern war mir von vornherein klar, dass meine Zuversicht sich durchaus als unangebracht erweisen könnte. Nichtsdestotrotz ereilte mich vor einigen Wochen ein akuter Anfall von Größenwahn und ich schrieb den Veranstaltern des Poetry Slam Hunting Words in der Mathilde Bar in Ottensen, dass ich gerne mal mitmachen würde.

Anschließend verbrachte ich etliche Tage damit, abwechselnd zu verdrängen, dass ich mich angemeldet hatte, und in Panik auszubrechen, weil ich es getan hatte. Nach grenzwertigen Erfahrungen in der Theater AG (5. Klasse, ich musste mir ein Kissen unter das T-Shirt stecken und die Lehrerin im Schlaraffenland spielen) habe ich freiwillig keine Bühne mehr betreten. Einen passenden Text hatte ich auch noch nicht. Zwei Tage vorher fing ich an, Halsschmerzen zu entwickeln, und hoffte auf eine erlösende Mandelentzündung, die es mir erlauben würde, guten Gewissens abzusagen. Leider fühlte ich mich dann doch recht schnell besser und hatte keine Ausrede mehr.

Den Donnerstag verbrachte ich damit, mich so richtig schön in mein gigantisches Lampenfieber hineinzusteigern. Am Abend wankte ich völlig verängstigt durch Altona, als mir eine größere Menschenmenge auffiel, die sich in die gleiche Richtung bewegte wie ich. Ich betete inständig, dass die nicht alle in die Mathilde gehen würden. Natürlich gingen sie alle in die Mathilde…

Als ich dann noch erfuhr, dass ich als allerletzte von zehn Teilnehmern auftreten sollte, war ich endgültig fertig mit den Nerven. Eigentlich hatte ich gehofft, möglichst am Anfang dranzukommen, um es dann hinter mir zu haben und die Texte der anderen entspannt genießen zu können. Stattdessen hatte ich nun noch mehr Zeit, Angst zu bekommen.

Mathilde
Ungefähr so – nur mit einer verängstigten Gestalt hinter dem Mikrophon und massenhaft fremden Leuten im Publikum – sah es am Donnerstag in der Mathilde Bar aus (Symbolfoto)

Irgendwann hatte ich genug gelitten und kam an die Reihe, trug wie in Trance meinen Text über ein missglücktes Date vor und wurde tatsächlich ins Finale gewählt. Ich las noch einen zweiten Text, in dem es um eine Whatsapp-Konversation ging, die aus dem Ruder läuft. Und dann – BÄM! – habe ich tatsächlich gewonnen! Meinen ersten Poetry Slam!

Ich habe mich riesig gefreut, renne seitdem völlig überdreht durch die Gegend und fühle mich wie ein Star. Und ja, mir ist klar, dass es wahrscheinlich ein Vorteil war, dass ich als Letzte drankam und das Publikum sich schon reichlich an den Kaltgetränken gelabt hatte. Und dass ich vielleicht ein paar Mitleidsstimmen bekommen habe, weil ich nicht nur ein Neuling, sondern auch noch etwas mit den Nerven runter war. Trotzdem: BÄM! Gewonnen! Wahnsinn! Der tolle Applaus war die Ängste, die ich ausgestanden habe, definitiv wert. Danke, liebes Publikum! Ich bin nun sehr froh, dass ich mich überwunden habe, und werde vielleicht bald noch einmal einen Versuch wagen…

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6 Gedanken zu “Poetry Slam: Mein erster Auftritt

  1. Hey, wow, davon wusste ich ja gar nichts. Herzlichen Glückwunsch zu so einem Debut-Auftritt. Ich würde mich das ja nicht trauen. Und stell deinen Sieg nicht unter den Scheffel. ; ) Deine Texte waren bestimmt so toll, wie die die ich von dir kenne und du hast total verdient gewonnen!
    LG
    Charlotte

    Gefällt 1 Person

    1. Danke, voll lieb von dir! Ich hatte extra nicht Bescheid gesagt, weil ich mir vorher gar nicht so sicher war, ob ich im entscheidenden Moment überhaupt ein Wort herausbringen würde… Dachte mir, wenn ich mich blamiere, dann lieber „nur“ vor fremden Leuten 😉

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