„Schicksalsmord“, „Schattenmord“ und „Eine tödliche Erinnerung“ von Fiona Limar

Eigentlich wollte ich diesen Beitrag einleiten mit den Worten „Das Wetter lädt nun wieder dazu ein, im Garten, auf dem Balkon oder im Park zu lesen.“ Da es heute in Hamburg den ganzen Tag nur gepladdert hat, passt das leider nicht mehr. (Wieder was dazugelernt: Keine Anspielungen auf Wetter oder sonstige Naturgewalten in Texten, die vorpubliziert werden…)
Daher: „Das Wetter lädt zur Zeit überhaupt nicht dazu ein, draußen zu sitzen und zu lesen. Wird es aber bald wieder. Bestimmt!“
Ich greife bei solchen Gelegenheiten gerne auf günstige E-Books von Selfpublishern zurück: Man hat keine Schlepperei, keine hohen Kosten und im Idealfall gute Unterhaltung. Leider trifft das Sprichwort „Wer billig kauft, kauft zweimal“ auf viele dieser E-Books zu, und so habe ich in letzter Zeit echt viel absolut unterirdischen Schrott gelesen bzw. angelesen. Damit euch nicht das gleiche passiert, stelle ich hier drei Krimis vor, die halten, was sie versprechen.

Alle drei Krimis stammen von der Selfpublisherin Fiona Limar. Sie schreibt unter Pseudonym und ist nach eigenen Angaben Psychologin und Psychotherapeutin.

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Durch eifriges Lesen anderer Blogs habe ich gelernt: Um glaubwürdig über Bücher schreiben zu können, braucht man Fotos von Tulpen. Nichts sagt so deutlich „Ich habe mein Leben im Griff und weiß, wovon ich rede“ wie frische Schnittblumen

Zuerst habe ich „Schicksalsmord“ gelesen. Der Krimi handelt von den Schwestern Lydia und Ulrike und wird abwechselnd aus den Perspektiven der beiden erzählt. Merkwürdige Geschichten säumen den Weg der manipulativen Lydia, doch bisher hatte sie immer für alles eine Erklärung. Bis sie unter Verdacht gerät, ihren Mann umgebracht zu haben – und bei den Ermittlungen Lydias Lügen ans Tageslicht kommen. Kann sie die Tat wie immer jemand anderem in die Schuhe schieben? Vielleicht ihrer treudoofen Schwester Ulrike?

Mir hat an dem Krimi gefallen, dass die Verbrechen keine spektakulären Gemetzel sind, sondern gut durchdachte Gemeinheiten. Die Charaktere der beiden Hauptfiguren sind sehr unterschiedlich, was von Anfang an für Spannung sorgt. Dem Leser dämmert recht bald, dass mit Lydia und ihrer Darstellung der Ereignisse etwas nicht ganz stimmen kann. Die Art, wie das erzählt wird, ist angenehm unspektakulär, denn da wird nichts mit großer Geste enthüllt, es ist mehr ein subtiles Grauen, das sich einschleicht. Die Figur der Lydia ist nicht als Verkörperung des Bösen schlechthin angelegt, das macht sie umso beunruhigender. Sie scheint eine Form der Persönlichkeitsstörung aufzuweisen, die wahres Mitgefühl mit anderen Menschen und die Einsicht in eigenes Fehlverhalten verhindert. In ihren Geschichten inszeniert sie sich immerzu als Opfer; für den Leser dagegen schimmert dahinter eine Ahnung der wahren Geschichte durch. In milderen Formen begegnet einem solches Verhalten häufig in der Realität. Die Betroffenen sprechen immer wieder von bestimmten Situationen und liefern dabei eigentlich alle Informationsbausteine, die ihr eigenes Fehlverhalten belegen. Diese Bausteine werden aber so zusammengesetzt, dass sich ein ganz anderes Bild ergeben soll. Mitunter vergessen solche Menschen auch, welche Variante einer Geschichte sie erzählt haben und welches Verhalten sie nach den angeblich vorgefallenen Geschehnissen plausiblerweise an den Tag legen müssten. Wie so ein Lügengebäude ins Wanken gerät und schließlich einstürzt, wird in „Schicksalsmord“ eindrücklich beschrieben. Von den drei E-Books der Autorin, die ich gelesen habe, hat mir dieses am besten gefallen.

Schattenmord“ war meine nächste Lektüre – den recht ähnlich klingenden Titel finde ich etwas unglücklich ausgewählt. Es geht um eine junge Frau, die nach einem Überfall im Koma liegt und einen rätselhaften Traum hat. Ihr Ehemann kümmert sich sehr fürsorglich um sie, doch als sie ihm von dem Traum erzählt und Fragen dazu stellt, reagiert er alarmiert. Auch hier wird spannend erzählt, wie die Fassade eines Menschen einreißt. Eine bestimmte Wendung am Ende war für mich allerdings so weit im Voraus absehbar, dass mir die Protagonistin doch etwas naiv vorkam. Nichtsdestotrotz hat mir das Buch gefallen, weil es den manchmal kaum spürbaren Übergang von Fürsorglichkeit zu Übergriffigkeit gut darstellt.

Auch „Eine tödliche Erinnerung“ ist spannend erzählt – kam mir aber deutlich konstruierter vor als die anderen beiden Krimis. Die Hauptfigur ist eine Psychologin, die einer Patientin durch Hypnose helfen will, verdrängte Erinnerungen hervorzuholen. Was sie dann letzten Endes herausfindet, wirkte auf mich ein bisschen zu sehr wie am Reißbrett entworfen, daher hat mir dieser Krimi von den drei Büchern am wenigsten gefallen.

 

 

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