#Schreibimpuls 1 – Lass deinen Protagonisten etwas missverstehen

In meiner neuen Reihe „Schreibimpulse“ veröffentliche ich Anregungen, die euch (hoffentlich) zum Schreiben bringen sollen. Mein heutiger Tipp: Lass deinen Protagonisten etwas gründlich missverstehen. Er* kommt in eine Situation und interpretiert sie anders als sein Gegenüber. Er belauscht ein Gespräch und denkt, es ginge um etwas anderes. Er hört eine Abkürzung oder einen Fachbegriff und stellt sich etwas ganz anderes darunter vor, als eigentlich gemeint ist. Was für Folgen hat das Missverständnis? Es kann eine peinliche, lustige, spannende, konflikthafte oder gefährliche Situation entstehen.
Warum ich diesen Schreibimpuls für hilfreich halte? 

„Show, don’t tell“ – Zeigen, anstatt zu erklären – diese Grundregel des spannenden Erzählens gilt auch für die Charakterisierung von Figuren. Anstatt sich in ermüdenden Aufzählungen von Eigenschaften der Figuren zu ergehen, sollte der Autor die Informationen in die Handlung einbinden. Dieses Vorgehen bringt auch eine höhere Glaubwürdigkeit mit sich – denn der Leser muss sich nicht darauf verlassen, dass ihm gesagt wird, der Protagonist sei z.B. besonders selbstlos, sondern er kann anhand konkret geschilderter Taten selber beurteilen, ob das so ist.

Was wir verstehen und was nicht, verrät etwas über uns selbst

Ein Missverständnis ist ein guter Weg, Informationen über Figuren in Handlung zu verpacken. Denn was jemand missversteht, und in welche Richtung das Missverständnis führt, verrät immer auch etwas über dessen Charaktereigenschaften, Bildung und Erfahrungen.

Wer bei der Abkürzung „GoT“ eher an die „Gebührenordnung für Tierärzte“ denkt als an die Serie „Game of Thrones“, verbringt vielleicht mehr Zeit mit dem Haustier als vor dem Fernseher. Wer „Raspberry Pi“ hört und an Obstkuchen denkt, ist wahrscheinlich nicht besonders technikaffin – oder einfach sehr hungrig. Wer häufig Schwierigkeiten hat, andere Menschen akustisch zu verstehen, hört vielleicht schlecht – was eventuell durch einen Unfall oder eine Krankheit in der Vergangenheit bedingt sein könnte… In jedem Fall bietet ein Missverständnis viele Möglichkeiten, Spannung in eine Szene zu bringen und etwas über die Vergangenheit oder Gegenwart einer Figur zu erzählen. Außerdem kann es dazu beitragen, den  Protagonisten sympathisch und menschlich erscheinen zu lassen, denn ein Missverständnis kann schließlich jedem mal unterlaufen.

*(oder sie, es, u.s.w.)

#Schreibimpuls 2: Auf ins Museum!

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