Interview mit Rita König

Am 3. März 2016 hat Rita König im Kulturcafé „Komm du“ in Hamburg-Harburg aus ihrem Roman „Rot ist schön“ gelesen, der zum Deutschen Buchpreis 2016 eingereicht wurde. Ich habe die Gelegenheit genutzt und sie interviewt. Im Folgenden lest ihr, welche Erfahrungen sie auf dem Weg zu ihrer ersten Romanveröffentlichung gemacht hat und was ihre Tipps für angehende Autoren sind.

Liebe Rita, du bist Diplom-Betriebswirtin und warst bis 2008 Angestellte im Landkreis Havelland. Wann und wie bist du zum literarischen Schreiben gekommen?
Relativ spät. Ich hatte zwar auch schon früher den Wunsch, im Kulturbereich tätig zu sein, wollte aber immer “auf der anderen Seite stehen” und nicht selbst der Künstler sein, sondern eher „Regisseur“. Meine ersten „literarischen“ Versuche bestanden darin, mir für meinen Sohn Geschichten auszudenken.

Ab 2005 hast du Stipendien und Preise gewonnen, 2015 erschien dann dein Romandebüt “Rot ist schön”. Wie erging es dir in den zehn Jahren, die dazwischenlagen?
In solchen Zeiten ist die Frage, wie viele Niederlagen man verkraftet. Ich habe mich häufig beworben und sehr viele Absagen bekommen. Allerdings habe ich in den zehn Jahren den Fokus auch mehr auf Bewerbungen für Stipendien als auf Bewerbungen bei Verlagen gelegt.

Warum?
Natürlich habe ich mir gewünscht, eines Tages ein Buch zu veröffentlichen – und zwar in einem “richtigen” Verlag, nicht in einem Druckkostenzuschussverlag. Aber noch wichtiger war es mir zunächst, mein Schreiben weiterzuentwickeln und mir dafür auch die nötige Zeit zu nehmen. Die Aufenthaltsstipendien waren dafür sehr hilfreich.

In deinem Buch fallen die eindrucksvollen Landschaftsbeschreibungen auf. Wie näherst du dich einer Landschaft an, um sie so beschreiben zu können?
An einigen Schauplätzen habe ich im Rahmen der Aufenthaltsstipendien Zeit verbracht. Die Stipendien habe ich für andere Texte erhalten, aber es bot sich an, den Aufenthalt dort auch anders zu verarbeiten. Denn wenn man sechs Wochen ohne Auto an einem Ort ist und sich die Umgebung zu Fuß erschließt, erlebt man die Landschaft viel intensiver. Ohnehin bin ich ein “Draußen-Mensch” und verbringe gerne Zeit in der Natur. Ich habe eine ganz einfache, handliche kleine Schreibmaschine, mit der habe ich häufig draußen gesessen und geschrieben.

Deine Protagonistin handelt psychologisch gesehen äußerst plausibel. Wie näherst du dich dem Innenleben deiner Figuren an?
Bei mir fängt es damit an, dass ich einen Namen für die Figur brauche. Wenn der Name da ist, dann existiert sie für mich und ich “gehe mit ihr zusammen los”: Ich schlüpfe in die Figur hinein, sehe die Welt so, wie sie sie sehen würde, und frage mich bei nahezu allem, was ich erlebe, was die Figur darüber denken würde.

Die Farbe Rot zieht sich als Leitmotiv durch das ganze Buch. Wie kamst du darauf?
Ich finde rothaarige Menschen faszinierend, weil es ja auch etwas sehr Seltenes ist. Der erste Arbeitstitel hieß darum auch “Rothaarige”. Dass die Worte “Rot” und “schön” im Russischen denselben Wortstamm haben, war ein Detail, das ich dann weitergesponnen habe.

Wann hast du für dich gewusst, dass dein Buch fertig ist?
Beworben habe ich mich mit dem Stand von 2012; zu diesem Zeitpunkt war das Manuskript für mich abgeschlossen. Während des Lektorats habe ich mich dann noch einmal sehr intensiv mit meinem Text beschäftigt und es fiel mir schwer, ihn loszulassen. Obwohl viele Änderungen nur noch Kleinigkeiten betrafen. Schließlich habe ich die Lektorin gebeten, „den Schlussstrich“ zu setzen.

Was sind deine Tipps für angehende Autoren?
In der Gruppe Texte zu lesen und zu besprechen finde ich empfehlenswert, das schult ungemein. Weiterbildungen und Seminare sind ebenfalls sehr wichtig. Für mich waren außerdem die Aufenthaltsstipendien von unschätzbarem Wert, weil ich mich dort längere Zeit ohne Unterbrechung dem Schreiben widmen konnte.

Vielen Dank für das Interview!

Meine Rezension zu „Rot ist schön“ findet ihr hier.

Zu Rita Königs Website geht es hier.

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