Spaßige Abrechnung mit dem Literaturbetrieb: „Der beste Roman des Jahres“ von Edward St Aubyn

Bei einem meiner Bücherhallen-Raubzüge bin ich neulich auf den Titel aufmerksam geworden und war sofort neugierig. Der Autor beschreibt die Vergabe eines fiktiven Literaturpreises – überdreht, überzeichnet und unterhaltsam.

Sowohl die Jurymitglieder als auch die hoffnungsvollen Teilnehmer des Wettbewerbs verkörpern bestimmte Klischeetypen, die man zum Teil aus der Branche kennt. Selbstüberschätzung, Angst vor Misserfolg, Angst vor Erfolg, überbordende Promiskuität und eine gewisse prätentiöse Künstler-Attitüde führen dazu, dass die Figuren sich schon vor der Preisverleihung in Nervenbündel verwandeln und kein gutes Haar aneinander lassen. Besonders witzig fand ich die kurzen Leseproben aus den Werken der Teilnehmer und Jurymitglieder, die der Autor größtenteils unkommentiert in den Roman einfließen lässt. Diese Texte sind gewollt schlecht, und sie sind jeweils auf eine ganz bestimmte Art schlecht, sodass man schnell einen Wiedererkennungseffekt hat – entweder, weil man auf Techniken stößt, von denen in jedem Schreibseminar abgeraten wird, oder weil man tatsächlich jemanden kennt, der so schreibt.

Die Schlussszene habe ich als unnötig rührselig und nicht zum bissigen Ton des restlichen Werkes passend empfunden, aber der Rest des Buches war amüsant.

Fazit: „Der beste Roman des Jahres“ ist zwar nicht der beste Roman des Jahres, aber genau die richtige Lektüre für jeden, der Lust auf etwas witzigen Lesestoff hat.

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