Adventskalendergeschichte Teil 23/24

Verglich sie sein Gesicht im Geiste mit einem Foto, das sie in den Nachrichten gesehen hatte? Würde sie die Polizei verständigen, oder hatte sie das bereits getan? Seine Lage war aussichtslos. Er spürte genau, dass er körperlich nicht in der Lage war, die Frau zu überwältigen, geschweige denn, eine erneute Flucht zu versuchen. Außerdem befürchtete er, dass sich noch mindestens eine weitere Person im Haus befand, denn er hörte in einem anderen Raum Geschirr klappern.

Die Frau schien keine Angst vor ihm zu haben. Geduldig sah sie ihm zu, wie er seinen Tee trank. Er wusste ihren Gesichtsausdruck noch immer nicht zu deuten. Es lag etwas in ihren Blicken, das er nicht einordnen konnte. Er fühlte sich, als hätte er einen tauben Fleck im Gehirn, weil er das Gefühl, das der Frau doch ganz deutlich ins Gesicht geschrieben stand, nicht benennen konnte.

Vor lauter Nervosität verschluckte er sich und hustete, und erst als sie ihm den Becher abnahm und vorsichtig auf die Schulter klopfte, traf es ihn. Das hier war Mitleid.

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