Angelesen: „Über den Winter“ von Rolf Lappert

Nachdem ich zweimal wieder von vorne angefangen habe, bin ich nun auf Seite 112. Das Buch fesselt mich nicht im Geringsten, und ich finde es sprachlich sehr anstrengend. Etwa 100 Seiten werde ich wohl noch durchhalten, denn irgendeinen Grund muss es ja haben, dass dieser Roman es auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft hat.

Meine Eindrücke bis hierhin: Am Anfang lungert der Protagonist, Lennard Salm, in irgendeiner Gegend am Mittelmeer herum. Ich konnte anhand der Beschreibung anfangs keine Vorstellung davon entwickeln, wer er ist, was er da macht und in welcher Umgebung er sich bewegt. Er besucht eine Art Wohnanlage, in der gutsituierte Männer unterschiedlicher Nationalität herumhängen, mit denen er sich anscheinend häufiger zum Trinken und zum Glücksspiel trifft. Dort versucht er, seine Kamera zurück zu bekommen, die er beim Glücksspiel verloren hat. Geld hat er keines; warum, weiß ich ca. 100 Seiten später immer noch nicht.

Die Szene mit den reichen Männern in der Wohnanlage ist so verschwurbelt geschildert, dass ich mehrmals zurückblättern musste, um zu verstehen, was überhaupt passiert (Antwort: nicht viel). Der Autor verwendet mal Namen für die Figuren und mal Synonyme, sodass ich wirklich Schwierigkeiten hatte, zu verstehen, wie viele Leute sich gerade im Raum aufhalten und wer sich an der schleppenden Konversation beteiligt. Es brauchte mehrere Versuche der Deutung, bis ich verstanden hatte, dass eine Bezeichnung, die ich für ein Synonym hielt, in Wirklichkeit eine weitere Figur ist. Glaube ich. Vielleicht aber auch nicht. Im Endeffekt ist es auch egal, weil die Szene ohnehin nicht wirklich wichtig ist für das, was dann folgt.

Als nächstes erfährt der Protagonist nämlich, dass seine Schwester gestorben ist, und reist nach Hamburg. In Hamburg geht er in ein ranziges Hotel, auf die Beerdigung am Friedhof Diebsteich und in die Wohnung seines Vaters in Wilhelmsburg. Die Stadt ist die meiste Zeit über so geschildert, dass ich nichts wiedererkenne, obwohl ich seit ca. acht Jahren hier lebe. Nur in Wilhelmsburg wird es etwas konkreter und wiedererkennbarer; warum der Protagonist alleine in der Wohnung seines Vaters herumstehen muss, während nichts passiert, ist mir allerdings unklar.

Insgesamt ist mir das alles zu handlungsarm, und hinzu kommt, dass es sich nicht flüssig liest. Ständig stolpere ich über lange, ungelenk formulierte Sätze mit Einschüben. Garniert ist das Ganze mit Beliebigkeiten, zum Beispiel: „Draußen schlugen Autotüren. Irgendwo klingelte laut und schrill ein altes Telefon und verstummt wieder.“ (S. 72) Das ist so „Irgendwo bellte ein Hund„-mäßig.

Das einzige, was mir bisher gut gefallen hat, war die Beschreibung von einigen Kunstwerken des Protagonisten. Das war recht einfallsreich und unprätentiös erählt.

Also, bis Seite 212 halte ich noch durch – wenn es mir dann nicht besser gefällt, gebe ich auf.

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