Angelesen: „Die Flockenleserin“ von Mike Powelz

Weil ich es immer toll finde, zu schauen, was abseits der bekannten Verlage erscheint, und neue Autoren zu entdecken, habe ich mir heute das e-Book „Die Flockenleserin“ heruntergeladen. Die Grundidee, einen Krimi in einem Hospiz spielen zu lassen, finde ich sehr spannend. Allerdings haben mich die ersten 30 Seiten noch nicht fesseln können – und das hatte mehrere Gründe.

Dreimal Durchschnaufen, bevor es endlich losgeht

Das Buch beginnt mit einer Einführung vom Autor, in der er u. a. erzählt, worum es in seinem Werk geht, was ihn animiert hat, es zu schreiben, und warum er Titel und Cover gewählt hat. Die „Zutaten“ des Krimis, die bereits hier deutlich werden, klangen interessant und gut – toll wäre allerdings gewesen, wenn der Autor sich hier kürzer gefasst hätte. Ich will als Leser direkt in den Sog des Geschehens eintauchen und nicht vorher langatmig erklärt bekommen, dass gleich was ganz Aufregendes folgt. Erklärungen zu Titel und Cover sowie der Hinweis, dass es sich bei den meisten Personen um fiktionale Charaktere handelt, hätte man meiner Meinung nach besser am Schluss des Krimis behandelt. Der Hinweis, dass Powelz und seine Familie in dem Buch auftreten und dass der Vater in einem Hospiz gestorben ist, hat bei mir die Befürchtung ausgelöst, dass es sich um ein „Bewältigungsbuch“ handeln könnte – was natürlich seine Berechtigung hätte, aber ich persönlich lese so etwas ungern. Bei anderen Lesern ist das sicher anders, z. B. könnte man ja auch denken „oh, er hat selber diesen Schicksalsschlag erlebt, dann ist das sicher toll geschieben“. Bisher hatte ich bei solchen Werken häufig den Eindruck, das die persönliche Betroffenheit den Blick des Autors verschleiert, sodass Geschichte und Spannungsbogen leiden, weil unnötig lange bei eigentlich entbehrlichen Szenen verweilt wird. Ich hoffe, das ist in diesem Fall anders.

Nach der Einführung geht es leider immer noch nicht los: Es folgen ein Vorwort von Antonia Rados und ein Vorwort von einer „Rückführungsexpertin“ (dabei geht es wohl darum, mit Toten in Kontakt zu treten). Ich kann verstehen, dass der Beitrag von Antonia Rados als eine Art Gütesiegel gedacht ist, auch wenn ich ihn eher an den Schluss gestellt oder nur 1-2 Sätze als Zitat herausgegriffen hätte. Das Vorwort von der „Rückführungsexpertin“ hat bei mir eher einen negativen Eindruck hinterlassen. Ich hoffe, der Krimi ist weniger esoterisch, als es am Anfang wirkt.

… auch noch ein Prolog

Nach dem ganzen Herumgekaspere kommt dann auch noch ein Prolog. Prologe gelingen nur selten, meistens könnte man sie entweder weglassen oder in die Handlung integrieren. Im Prolog wird erzählt, wie jemand stirbt. Bei vielen Beschreibungen hatte ich den Eindruck, dass ich das so oder so ähnlich schon in anderen Büchern gelesen habe.

Vorläufiges Fazit

Nach den ersten 30 Seiten hält sich meine Leselust in Grenzen und normalerweise würde ich nicht unbedingt weiterlesen. Da ich aber viele sehr positive Rezensionen zu diesem Buch gesehen habe, gebe ich ihm noch eine Chance und lese weiter – in der Hoffnung, dass sich mein eher mittelmäßiger erster Eindruck nicht bestätigt.

Update: Auch 50 Seiten später konnte das Buch mich nicht fesseln, ich habe es dann aufgegeben. Für meinen Geschmack kamen die Beschreibungen zu abgegriffen und austauschbar daher. Zudem krankt das Werk an den typischen Schwächen autobiografischer Romane.

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